Bundesweite Breitensport-Studie zu sexualisierter Gewalt liegt vor

Fast 4.400 befragte Vereinsmitglieder aus elf Landessportbünden

Bei dem im August 2020 begonnenen und bundesweit ersten Breitensport-Forschungsprojekt „SicherImSport“, gefördert vom Landessportbund Berlin unter Leitung des Landessportbunds NRW und unter Beteiligung von zehn weiteren Landessportbünden, liegen den Verantwortlichen nach Abschluss der umfangreichen Datenerhebung von fast 4.400 befragten Vereinsmitgliedern die ersten Zwischenergebnisse vor:

Die Befunde unserer Online-Studie bestätigen, dass sexualisierte Grenzverletzungen, Belästigung und Gewalt auch im Vereinssport vorkommen. Deshalb sind der Ausbau von Maßnahmen zum Schutz vor Belästigung und Gewalt sowie Anlaufstellen und Unterstützungsangebote für Betroffene im Sport wichtig – dies hat ein großer Teil der Sportverbände erkannt und Maßnahmen zur Prävention eingeführt“, betonen Prof. Dr. Bettina Rulofs (Bergische Universität Wuppertal) sowie Dr. Marc Allroggen und Dr. Thea Rau (Universitätsklinikum Ulm) als wissenschaftliche Projektleitung. Nach den Aufsehen erregenden Ergebnissen der „Safe Sport“-Studie zum Leistungssport aus dem Jahr 2016 werten die Forscher*innen nun erstmals Daten zum Breitensport aus - die größte Untersuchung zu diesem sensiblen Thema in Deutschland soll bis zur Jahresmitte 2022 abgeschlossen sein.

LSB-Präsident Thomas Härtel: „Sexualisierte Grenzverletzungen, Belästigungen und Gewalt im organisierten Sport müssen konsequent aufgedeckt und bekämpft werden. Wir haben uns als Landessportbund Berlin an der Studie beteiligt, weil wir Transparenz brauchen, um zu wissen, wo wir noch gezielter gegensteuern müssen und welche weiteren Maßnahmen notwendig sind.

Die Mehrheit der Befragten gab an, mit dem Vereinssport insgesamt „allgemein gute bis sehr gute Erfahrungen“ gemacht zu haben. Doch etwa ein Viertel der Vereinsmitglieder (rund 26 Prozent) erfuhr mindestens einmal sexualisierte Grenzverletzungen oder Belästigungen (ohne Körperkontakt) im Kontext des Vereinssports, beispielsweise in Form von anzüglichen Bemerkungen oder unerwünschten Text-/Bildnachrichten mit sexuellen Inhalten. Bei rund 19 Prozent kam mindestens einmal sexualisierte Belästigung oder Gewalt mit Körperkontakt vor, zum Beispiel sexuelle Berührungen oder sexuelle Handlungen gegen den Willen. Auch weitere Formen der Verletzung oder Gewalt wurden in der Studie erhoben. So antworteten immerhin 64 Prozent der Personen, mindestens einmal emotionale Verletzungen oder Gewalt im Vereinssport erlebt zu haben, also beschimpft, bedroht oder ausgeschlossen worden zu sein – und mehr als jede*r Dritte (37 Prozent) nannte mindestens einmal körperliche Verletzungen oder Gewalt, in Form von geschüttelt oder geschlagen werden. Auch erwähnenswert: Je höher das sportliche Leistungsniveau, desto größer offenbar das Risiko, von Belästigung oder Gewalt betroffen zu sein. So berichten 84 Prozent der Befragten, die auf internationaler Ebene im Leistungssport aktiv waren, von mindestens einer Erfahrung von Belästigung oder Gewalt – im Vergleich trifft dies auf 53 Prozent derjenigen zu, die im Freizeit- oder Breitensport aktiv waren. Ergebnisse für die einzelnen Bundesländer liegen bisher nicht vor.

Der Landessportbund Berlin bietet seit mehreren Jahren präventive Maßnahmen für seine Verbände und Vereine zum Kinderschutz an und erweitert sein Engagement kontinuierlich. „Weil es uns um die Integrität des Sports geht, haben wir im vergangenen Jahr ein Kinderschutzsiegel entwickelt und es Anfang dieses Jahres an erste Vereine und Verbände vergeben, die Position unserer Kinderschutzbeauftragten auf eine volle Stelle aufgestockt sowie weitere Kapazitäten zur Prävention sexualisierter Gewalt bei Erwachsenen geschaffen“, sagt LSB-Präsident Härtel.

Auch der Landestanzsportverband Berlin engagiert sich seit Jahren intensiv im Hinblick auf die Entwicklung und Umsetzung von präventiven Maßnahmen gegen sexualisierte Gewalt im (Tanz-)Sport. Wir haben den Kinderschutz im Ehrenamt verankert und zwei Kinderschutzbeauftragte .

Ohne Vorlage eines erweiterten polizeilichen Führungszeugnisses wird keine Lizenz ausgestellt oder verlängert. Bei Verdacht können Lizenzen ruhen gelassen oder entzogen werden. Es werden regelmäßige Schulungen, Workshops, Konferenzen für und mit Vereinsvertreter*innen durchgeführt. 

LSB-Pressemitteilung zur veröffentlichten Breitensportstudie zu sexualisierter Gewalt im Sport: https://lsb-berlin.net/aktuelles/news/details/bundesweit-erste-breitensport-studie-zu-sexualisierter-gewalt-legt-zwischenergebnisse-vor/

Factsheet der Universitäten zur Studie: https://www.sportsoziologie.uni-wuppertal.de/fileadmin/sportsoziologie/Projekte/FactSheet_SicherImSport_Zwischenbericht.pdf.

Text: LSB Berlin/red

von Thorsten Süfke

Zurück