Corona, Berlin und der Tanzsport

Lieber Berliner Tanzsportler,

mit den Grundsatz-Entscheidungen vom Mittwoch (6. Mai) in der Telefonkonferenz der Bundesregierung mit den Ministerpräsidenten ist die Erwartung vieler auf weitere Lockerungen für den Sport deutlich gestiegen. Ein Bundesland scheint gar alle Beschränkungen aufgehoben zu haben.

Wir Berliner müssen uns mit den Stadtstaaten Bremen und Hamburg vergleichen. Denn die Annahmen eines Flächenstaates (Unterscheidungen zwischen den Landkreisen) würden in Berlin eine Unterscheidung nach Stadtbezirken bedeuten - sicherlich keine wirklich gute Lösung. Insofern bewegen wir uns in Bereichen, die am Rande zweifellos für die Politik schwierig zu entscheiden sind und dabei weiterhin an die Vernunft aller appelliert werden muss. Nur dann werden wir gemeinsam Lockerungen finden können, die praktikabel und gesundheitsfördernd sind. Und zugleich von Dauer Bestand haben können und nicht bei einem Anstieg der Infektionszahlen wieder zurück genommen werden müssen.

Von daher haben wir den Tanzsportvereinen bereits Möglichkeiten skizziert, die unsere Vorschläge an die Dachverbände und die Politik bei einer dortigen Zustimmung flankieren müssen: Einhaltung aller gebotenen Abstands- und Hygieneregeln bei Training in Kleinstgruppen bzw. nur mit Personen weniger Haushalte.

Man hört, dass es heute (Donnerstag, 7. Mai) in Berlin eine Senatssitzung geben wird und eine neue Verordnung mit Wirkung zum 15. Mai in Kraft treten soll.

Wir hatten in den letzten Tagen mit vielen sportpolitischen Sprechern und dem LSB Berlin einen engen Austausch und wir haben sehr deutlich eine stärkere Differenzierung zwischen den Sportarten gefordert und sind dabei fast immer auf offene Ohren gestoßen. Denn aus den Lockerungen der letzten 14 Tage haben sich Aspekte ergeben, die für uns nicht länger nachvollziehbar sind:

  • Menschen eines Haushalts leben zusammen, teilen Bett und Bad, aber dürfen nicht gemeinsam tanzen. Weil Tanzen als eine Kontaktsportart geführt wird. Jazz und Modern/Contemporary, Line Dance und andere Tanzarten, bei denen Kontakt sehr leicht vermieden werden kann, werden zudem gleich mit in Quarantäne genommen.
  • In einem Kaufhaus darf je 20 qm ein Kunde sein, in einem Tanzsaal mit 450qm darf sich kein einziger Tänzer bewegen.
  • Kinder dürfen gemeinsam auf den Spielplatz, dürfen sich aber nicht gemeinsam beim kreativen Kindertanz, nicht mal im Freien, zusammen bewegen.

Jetzt müssen wir abwarten, was möglich ist, was die Medizin rät und was sich die Politik traut.

Thorsten Süfke, Präsident Landestanzsportverband Berlin

von Thorsten Süfke

Zurück